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Umgangsformen

Regeln zwischenmenschlicher Interaktion

Die häufig zu findende Gleichsetzung von Umgangsformen mit Etikette ist problematisch, da Etikette im Grunde nur die Umgangsformen bezeichnet, die der offiziellen Förmlichkeit willen dargeboten werden.

Als "gute Umgangsformen"

bezeichnet man die Gesamtheit der Verhaltensweisen und -regeln, die dazu dienen sollen, das menschliche Zusammenleben möglichst reibungslos und angenehm zu machen.
Ähnliche oder gleichbedeutende Begriffe sind z.B. gutes Benehmen, gutes Betragen, gute Manieren, guter Ton, Anstand oder Benimm.
Die "richtigen" Umgangsformen

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fungieren oft als identitätsstiftendes Zeichen der Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe.
Je nach Herkunft, Kulturkreis, sozialem Milieu oder gesellschaftlichem Umfeld können die jeweils als üblich und/oder geboten geltenden Umgangsformen stark voneinander abweichen.

Nicht immer werden die in einem konkreten Umfeld als "gut" angesehenen Umgangsformen dort auch tatsächlich praktiziert – oft klafft eine Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit.
Historisches

Einer der ersten Vermittler von Bildung und Umgangsformen war Erasmus von Rotterdam (1466–1536), der mit seinen „Erziehungsbüchern“ für Fürsten (Fürstenspiegel) und seinem Benimmbuch 'de civilitate' einen Leitfaden vorgab.

Soziologisch ausgerichtet war auch das 1788 erstmals herausgebrachte Werk 'Über den Umgang mit Menschen' des Freiherrn von Knigge (1752–1796). Im Gegensatz zur heutigen landläufigen Meinung handelt es sich bei dem Buch keineswegs um einen Benimmratgeber mit Ratschlägen zu Fragen der Art: "Welche Gabel darf mit welchem Messer zu welchem Essen verwendet werden?"

Erst nach Knigges Tod wurde sein Buch mehrfach von Herausgebern umgeschrieben und so immer mehr zu einer Anstandsfibel und sein Name zum Synonym für Benimmfragen.
Benimm ist wieder in

wie die vielen Artikel in den Medien zum Thema beweisen.
Anstandsregeln oder Umgangsformen unterliegen dem Wandel, viele Regeln haben sich geändert. Die starren strengen Formen sind passé und durch freundliche Gesten ersetzt.
Knicks und Diener sind vergessen, Handschlag ist bieder, heute gibt es zur Begrüßung Küsschen rechts und links. Aber wo passen die Küsse hin, wird überhaupt geküsst oder nur in die Luft gehaucht?
Begrüßung und Abschied

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Zu den global gültigen Umgangsformen zählt das Grüßen beim Kommen und Gehen. Während in Mitteleuropa meist kurze Grüße bevorzugt werden, begrüßt und verabschiedet man sich im Süden, im Osten und im Orient körperbetonter.

Wenn wir jemandem die Hand reichen und er/sie lässt sie zu lange nicht los, empfinden wir das als aufdringlich. In Italien und noch mehr aber in Nahost könnte ein zu kurzer Händedruck als gezwungene, nur kühle Begrüßung gedeutet werden. Es wird jeweils die rechte Hand geschüttelt.
In Mitteleuropa steht ein Mann stets auf, wenn er einer Person die Hände schüttelt.
Was die Körpersprache beim Grüßen betrifft,

ist derzeit ein gewisser Wandel im Gange. Vor relativ kurzer Zeit betrachtete man in Mitteleuropa eine Umarmung oder einen Begrüßungskuss als Privileg unter Russen oder Franzosen. Inzwischen ist es auch bei uns im Freundeskreis üblich; obwohl es eine Vertrautheit vortäuscht, die oft (noch) nicht vorhanden ist.

Schon zwischen Süden und Norden im deutschen Sprachraum können Abschiedsworte wie „Tschüss“, „Moin“, „Ciao“, „Baba“ oder „Grüezi“ Erstaunen hervorrufen. Wer ein bayerisches „Grüß Gott“ mit einem lakonischen „Tach“ beantwortet, begeht fast einen Fauxpas und lässt es am gebotenen Taktgefühl fehlen. Auch wer darauf leutselig „Servus!“ erwidert, wird oft Zurückhaltung auslösen. Verballhornende Antworten wie „Gern, wenn ich ihn seh“ können als beleidigend (oder als alter Witz) empfunden werden.
Bekleidung und äußere Erscheinung

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Unsere die Kleidung betreffenden Gebräuche haben sich in den letzten zweihundert Jahren stark gelockert. Verordnete Kleiderordnungen existieren in den meisten Lebensbereichen nicht mehr (Ausnahmen: Zwang zu Badebekleidung in Schwimmbädern oder Zwang zu Nacktheit an FKK-Stränden, Dresscodes in manchen Firmen und Golfclubs).

Ohne explizite Vorschrift gibt es gesellschaftliche Erwartungshaltungen bezüglich angemessener äußerer Erscheinung. Das Erfüllen dieser Rollenerwartungen wird als Bestandteil guter Umgangsformen angesehen, bei sexuell freizügiger Kleidung eventuell auch als Frage des Anstands.

Das betrifft Rollenerwartungen im Berufsleben, bei gesellschaftlichen Anlässen und im Alltag, in denen eine gewisse äußere Erscheinungsform erwartet wird. Dazu gehören Geschäftskleidung bei Bankangestellten und hygienisch einwandfreie Kleidung bei Ärzten und Pflegepersonal sowie beispielsweise die Erwartungshaltung, auf der Straße nicht mit Badebekleidung zu flanieren.

Diese Regeln gelten zumeist als ungeschriebene Gesetze und sind regional und kulturell verschieden und unterliegen manchmal relativ kurzfristigen Veränderungen (z.B. waren weiße Tennissocken in den 1980er Jahren eine Weile "in", ehe sie "out" bzw. geradezu verpönt wurden).
Tischsitten und Esskultur

In Familien werden die Tischsitten wieder mehr gefördert, in Restaurants waren sie immer präsent - doch es gibt auch Orte, an denen alle Regeln fehlen. Fast Food Restaurants z.B. zeichnen sich durch ein Fehlen von Regeln aus. Hier darf mit den Fingern gegessen werden, Kinder dürfen nach dem Essen aufstehen und spielen und müssen nicht darauf warten bis alle die Mahlzeit beendet haben.

Weniger als oft vermutet befasste sich Adolph Freiherr Knigge mit den Tischsitten.
Die wichtigsten Regeln auf einen Blick:

Eine gerade Haltung sollte während der gesamten Mahlzeit bewahrt werden. Diese kann am besten eingenommen werden, wenn der Abstand zum Tisch nicht zu groß ist. Außerdem sollten Gabel und Löffel immer zum Mund hingeführt werden und nicht umgekehrt.
Ellbogen und Unterarme sollten während des Essens nicht auf dem Tisch abgelegt werden. Idealerweise liegt nur das Handgelenk auf dem Tisch - auch wenn nur eine Hand benutzt wird.
Das Besteck wird immer im oberen Teil angefasst. Das Messer gehört bei Rechtshändern in die rechte Hand, bei Linkshändern in die Linke.
Nach dem Beenden der Mahlzeit werden Messer und Gabel parallel zueinander auf den Teller gelegt. Liegen sie überkreuz, dann signalisiert die betreffende Person Hunger. Servietten dekorieren einen Tisch nicht nur schön, sondern sie können und sollen auch während der Mahlzeit genutzt werden.
Esskultur in der Familie

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Tischsitten sind nicht nur für den angenehmen Ablauf einer Mahlzeit von Bedeutung, sondern auch für das soziale Leben einer Familie.

Bei einer gemeinsam eingenommenen Mahlzeit trifft sich die ganze Familie und hat die nötige Zeit, in aller Ruhe von dem vergangenen Tag zu berichten.
Damit das Essen reibungslos vonstatten geht, müssen bestimmte Regeln beachtet werden: So sollte erst begonnen werden, wenn alle am Tisch sitzen und der Erste kann dann aufstehen, wenn alle fertig sind. Außerdem sollten sich alle auf die Mahlzeit und das Gespräch konzentrieren und nicht durch Fernseher, Radio, Buch oder Zeitung abgelenkt werden.
Am einfachsten ist es, wenn jedes Familienmitglied seinen eigenen Stammplatz hat, da so Streitereien und Gerangel vermieden werden.
Bücher zum Thema

Die Wertschätzung guter Umgangsformen nimmt wieder zu, das zeigt die Fülle an Titeln zum Thema.
Aus dem reichen Angebot der FindUthek präsentieren wir Ihnen hier einen kleinen Ausschnitt:
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"Bitte! Danke! sagt der kleine Fuchs" 
Manfred Mai

Der kleine Fuchs ist nicht gerade ein mustergültiges Kind. Natürlich weiß er, dass man bitte und danke sagen soll. Aber sich gut zu benehmen, ist immer so anstrengend! Doch er merkt schnell, dass er sogar neue Freunde gewinnt, wenn er freundlich und hilfsbereit ist.
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Gutes Benehmen ist hüpfeleicht
/ Ch. Merz ; B. Gotzen-Beek

Wenn Tante Elsie kommt, soll Leonie sich gut benehmen, wünscht sich Mama - aber wie geht das genau? Leonie und ihr Freund Max fragen Max' Oma, denn die kennt sich bei so was aus und bringt den beiden vieles bei.
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Manieren statt blamieren
: gutes Benehmen kinderleicht
/ L. Gibbs ; J. Eastwood - 29 S.

Das flott und witzig geschriebene Buch gibt viele nützliche Tipps, wie man durch Rücksicht und Freundlichkeit besser miteinander auskommt.
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Schelling, Cornelia:
Manieren für Kinder und Jugendliche


Zeigt Eltern, wie sie im Alltag Manieren beibringen und zentrale Werte vermitteln können. Ganz einfach zum Nachschlagen finden sich in alphabetischer Reihenfolge Werte und Grundregeln, die den Umgang miteinander erleichtern und verbessern: Von Achtung über Grüßen bis hin zu Schimpfwörtern und Zurückhaltung - das kleine Einmaleins des guten Benehmens.
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Truss, Lynne:
Für dich immer noch Sie Arschloch!

: Null Toleranz für schlechtes Benehmen

Eine hoch komische Tour de Force durch die Un-Sitten des modernen Alltags. Die brillant auf den Punkt gebrachte Wahrheit über unser Leben von heute.
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Kursbuch Gutes Benehmen
: für Beruf, Karriere und Familie
/ Leonore von Handel-Mazetti

Behandelt alle Bereiche - von Beruf bis zum Verhalten im Restaurant, im Straßenverkehr und bei privater Gastlichkeit. Natürlich soll jeder zunächst sich selbst und Verwandte, Freunde und Nachbarn richtig behandeln. Und es gibt heikle Stilfragen im Trauerfall, bei Behörden und im Ausland.
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Bareiss, Hermann
Wie isst man das?

77 schwierige Gerichte

Tischmanieren sind wieder angesagt. Dennoch wissen viele nicht, wie eine Forelle stilgerecht filetiert wird, wie man Garnelen und Hummer isst, oder ob nun ein Ei geköpft werden darf oder nicht.
Kleine Pannenhilfen sorgen dafür, Unvorhergesehenes auszubügeln, und das Glossar hilft über sprachliche Klippen hinweg.
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Auf Reisen ist die Reihe

"Gebrauchsanweisung für…"

aus dem Piper Verlag gut geeignet mit Tipps zum Verhalten in ausgesuchten Ländern und Regionen.
Links:

Allgemeine Fragen zu Umgangsformen
Gutes Benehmen in allen Lebenslagen
 
Tisch- und Benimmregeln beim Essen
Tischmanieren oder -regeln sollten nicht nur im Restaurant beachtet werden. Die Mißachtung von Tischmanieren und der Etikette kann im Beruf, bei einem Rendezvous oder im Urlaub sehr peinlich sein, vor allem wenn der Betroffene gar nicht bemerkt, was er falsch macht.

Umgangsformen in anderen Ländern
Der Urlaubsknigge: Benehmen, Regeln und Trinkgeld im Ausland

Benehmen im Beruf
Wenn wir bei einem Geschäftstreffen erscheinen, haben wir innerhalb von Sekunden eine ganz besondere Visitenkarte präsentiert: unser Auftreten. Ob Firmeninhaber oder Angestellter – wer den Dresscode kennt und die Umgangsformen beherrscht, hat beim Kunden sofort Pluspunkte gewonnen